Wenn Regen nass wird. | 06.05.2010 |
Kennt ihr dieses Phänomen, wenn man etwas haben will aber nicht bekommen kann? Am heutigen Tag scheint dieses Phänomen besonders präsent zu sein. Es ist kalt, das Wetter ist zum Kotzen und ich arbeite an einem Windows PC. Letzteres ist ein heftiger Affront meiner Selbst.
Ich sitze in einem Büro, durchsuche das Internet nach Informationen von irgendwelchen mittelständischen Unternehmen und hacke dieses fein säuberlich in eine Tabelle ein. Nebenbei wird noch Facebook gesuchtet und die Twitter Timeline mir Zeugs voll geschrieben, welches ich irgendwie lustig oder interessant finde aber wahrscheinlich keinem interessieren. Mein Chef kommt rein und bietet mir einen Pfannkuchen an. Ich freue mich und beiße beherzt rein. Nach dem Sättigungsgefühl tritt plötzlich ein anderes Phänomen auf: Müdigkeit. Ich weiß nicht warum, aber die Nacht war sehr kurz, ich lag ewig lange vorm TV und zerbrach mir den Kopf.
Ich werde immer wieder abgelenkt, bin unkonzentriert. Liegt das an der Straße, die direkt neben mir vorbei führt und meine Sinne erregt? Leute huschen vorbei, Autos wirken wie Lichtblitze in meinem Augenwinkel und die Uhr ist längst nach dem immer wieder einfahrendem Regio gestellt. Oder ist das der Drucker, der alle zwei Minuten etwas druckt?
Ich weiß es nicht. Ich beschließe Mittagspause zu machen und einen Döner essen zu gehen. Beim Verlassen der Agentur schaue ich zum Himmel hinauf. Ein helles, freundliches schwarz kommt mir entgegen und zu allem Überfluss regnet es auch noch. Prinzipiell habe ich nix gegen Regen. Aber kann der nicht dann kommen, wenn ich nicht da bin?
Ich laufe die Straße hinunter, gehe zur Bank und hole Geld. Als ich wieder raus komme, sehe ich auf der anderen Straßenseite ein Café. Es gefällt mir, daraufhin beschließe ich meine Mittagspause dorthin zu verlegen. Nachdem ich die Tür geöffnet habe, eintreten will, bellt mich ein Hund an und könnte mich wohl zerfleischen, wenn der Besitzer ihn nicht zurück halten würde.
Den unerwarteten Schock überwunden, trete ich zur Bar vor, ordere einen Latte macchiato und die Karte. Eine nette Frau mittleren Alters nimmt die Bestellung entgegen und bietet mir einen Sitzplatz an. Ich setzte mich genau in die Mitte des Raumes an einen riesigen Tisch, der von etlichen Barhockern umringt ist. Kurze Zeit später kommt die Karte. Mir gefällt die Einrichtung, der Mix aus Barhockern, Couchecken und rustikalen Schränken steigert das Wohlbefinden meines Gemüts. Der Latte macchiato kommt und ich gebe noch ein Lachs Bagel in Auftrag. Ich wechsele den Platz und setze mich ans Fenster. Von dort aus sehe ich die vorbei fahrenden Autos, die S-Bahn Station und den Regen, der nicht aufhören will.
Bis der Bagel kommt, habe ich mich entschlossen meine Mom anzurufen. Sie geht ran, freut sich und wir schnacken kurz. Nichts besonderes aber okay. Plötzlich taucht eine Frau neben mir auf, ich war in Gedanken versunken und hatte mich erschrocken, es ist mein Bagel. Der Bagel tat gut. Verdammt gut. Ich hatte zwar keinen Hunger, jedoch bildete ich mir ein, dass ich ihn mir mehr als verdient hätte. Dieses Belohnungssystem vom Körper ist total toll! Schade, dass das nicht mit Wasser funktioniert.
Ich hatte aufgegessen, hörte mittlerweile Musik und beobachtete diverse Leute auf der Straße. Die Zeit total vergessen, springe ich auf, gehe zur Kasse und bezahle. Die Frau, die mir den Bagel verkauft hat, fragt mich ob denn alles zu meiner Zufriedenheit sei. Ich bin immer mehr beeindruckt von dem Laden, cooles Ambiente, super Service und tolle Qualität der Ware. Hier komme ich bestimmt noch mal wieder.
Vielleicht morgen, in meiner Mittagspause.